Cholesterin-Ratgeber

Liebe Patientinnen, liebe Patienten,

hier finden Sie zahlreiche Informationen zum Thema "Fettstoffwechsel", aber auch Wissenswertes zu anderen Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen. Bei Fragen können Sie uns auch gerne eine Email schicken. Wir werden Ihnen dann so schnell wie möglich antworten.

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Allgemeines

Menschen in verschiedenen Regionen der Welt haben unterschiedliche Konzentrationen der "Blutfette" (sog. Lipoproteine). Diese Unterschiede sind zum Teil genetisch, zum Teil ernährungsbedingt. Aus großen Studien läßt sich ableiten, daß eine fettreiche Ernährung bei einer Bevölkerung höhere durchschnittliche Cholesterinkonzentrationen im Blut bewirkt und daß gleichzeitig auch die Herzinfarktrate höher liegt. Aus Zwillingsuntersuchungen wurde abgeschätzt, daß die im Blut meßbare Cholesterinkonzentration zu 1/3 nahrungsbedingt ist. 2/3 des Cholesterins werden vom Körper selbst hergestellt, lassen sich also auch durch Ernährungsumstellung nicht beeinflussen. Aufgrund der epidemiologischen Untersuchungen erhöhen im wesentlichen folgende Faktoren das Risiko einer koronaren Herzkrankheit:
Fettstoffwechselstörungen; Fehlernährung ("zu viel, zu fett, zu süß, zu salzig, zu wenig Ballaststoffe"); Übergewicht; Rauchen; Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus); erhöhte Blutdruckwerte und Bewegungsmangel. Wenn in der Familie mehrere Personen frühzeitig an einer koronaren Herzkrankheit erkrankt oder sogar verstorben sind (Herzinfarkt oder Schlaganfall), so sollten sich alle Familienmitglieder, auch die Kinder, vom Hausarzt untersuchen lassen, ob bei Ihnen eine Fettstoffwechselstörung vorliegt. Dies ist so wichtig, da bei einer wie wir sagen "positiven Familienanamnese" eine erbliche Belastung vorliegen kann, bei der schon im Kindesalter hohe Cholesterinwerte vorliegen können und die Gefahr von Gefäßablagerungen stark erhöht ist. Auch die Europäische Atherosklerose-Gesellschaft weist in ihren Empfehlungen zur Prävention der koronaren Herzkrankheit ausdrücklich auf die Notwendigkeit hin, Fettstoffwechselstörungen frühzeitig zu diagnostizieren und intensiv zu behandeln. Zudem sollten die anderen Risikofaktoren konsequent behandelt werden.

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Rund um`s Cholesterin

Cholesterin ist ein körpereigener Stoff, der vornehmlich in der Leber gebildet wird. Wir benötigen das Cholesterin z. B. zur Herstellung von Gallensäuren, Hormonen und zum Zellaufbau. Nun gibt es jedoch verschiedene Erkrankungen, die zu einer Cholesterinerhöhung im Blut führen können. Das erhöht unser Risiko, frühzeitig eine Atherosklerose zu entwickeln, die wiederum zu Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann.
Im Blut teilen wir das Cholesterin in zwei Hauptkomponenten ein. Wir sprechen dann von dem sogenannten schlechten LDL-Cholesterin ("low-density-lipoprotein") und dem guten HDL-Cholesterin ("high-density-lipoprotein"). Das LDL bringt das Cholesterin von der Leber zu allen Zellen des Körpers, aber auch zur Gefäßwand der Arterien, wo es sich ablagern kann. Das HDL hingegen bringt das Cholesterin von den Körperzellen wieder zurück zur Leber und kann auch das in den Gefäßwänden abgelagerte LDL aufnehmen. Insofern hat es eine schützende Funktion.
Aus diesem Grunde reicht es nicht, nur den Wert für das Gesamtcholesterin zu wissen, das nicht über 200 mg/dl (5,6 mmol/l) betragen sollte. Der Zielwert für das LDL-Cholesterin wird von uns individuell bestimmt. Als Faustregel kann man sich jedoch folgendes merken. Hat man keinen oder nur einen Risikofaktor, so sollte ein LDL von weniger als 150 mg/dl (3,9 mmol/l) angestrebt werden. Liegen zwei oder mehr Risikofaktoren vor, so sollte das LDL nicht über 135 mg/dl (3,5 mmol/l) betragen. Ist hingegen bereits eine Atherosklerose oder gar eine Herzerkrankung eingetreten, dann muß ein LDL von weniger als 100 mg/dl (2,6 mmol/l) angestrebt werden. Dieser Zielwert gilt auch für Diabetiker.

Was kann man tun?

Zur Senkung des LDL-Cholesterin muß zunächst die Errnährung umgestellt werden. Zu diesem Thema erfahren Sie alles Wissenswerte in unserer Rubrik Ernährung. Allein hierdurch kann das LDL-Cholesterin um 10-20% gesenkt werden. Bei der vererbten Form ist diese Maßnahme aber häufig nicht ausreichend und es müssen Medikamente verabreicht werden.
Um das "gute" HDL-Cholesterin günstig zu beeinflussen, sollte man sich viel und regelmäßig bewegen. Am besten sind Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen und Radfahren.

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Welche Bedeutung haben die Triglyzeride?

Meist wird nur über das Cholesterin gesprochen. Es gibt jedoch noch andere Blutfette, die eine Gefahr für Herz-Kreislauferkrankungen darstellen können. In erster Linie gehören hierzu die Triglyzeride (Neutralfette). Die Triglyzeride sind das sichtbare weiße Fett, das wir alle kennen und sie werden von Muskeln zur Energiegewinnung benötigt. Im Blut werden die Triglyzeride durch die sogenannten Chylomikronen und VLDL transportiert. Die Chylomikronen nehmen die Triglyzeride aus der Nahrung nach der Passage durch die Darmwand auf und transportieren sie u.a. zu den Muskeln und zur Leber. Die VLDL transportieren die von der Leber gebildeten Triglyzeride in verschiedene Gewebe. Heute wissen wir, daß sich die Triglyzeride zwar nicht direkt in der Gefäßwand ablagern, sondern die Abbauprodukte (sog. Remnants) der Chylomikronen oder VLDL. Die Triglyzeride sollten nüchtern nicht höher als 180 mg/dl sein. Da in der Nahrung viele Triglyzeride enthalten sind, führt das 3 - 6 Stunden nach dem Essen zu einer Erhöhung auf etwa das doppelte. Man kann sich deshalb auch vorstellen, daß die Triglyzeride von Tag zu Tag erheblich schwanken können. Aber Triglyzeride können im Blut nicht nur durch fettreiche Nahrung ansteigen. Auch alle süßen Sachen (Zucker Schokolade, Cola) und alkoholische Getränke (aber auch alkoholfreies Bier), die viele Kohlenhydrate enthalten, führen zu erhöhten Werten. Das liegt daran, daß der Körper aus Kohlenhydraten Triglyzeride herstellen kann. Dies spielt eine große Rolle bei Diabetikern. Aus dem durch die Erkrankung bedingten erhöhten Zuckeranteil im Blut werden viele Triglyzeride hergestellt. Dies ist wahrscheinlich ein Grund dafür, daß Typ II Diabetiker häufig schon sehr früh eine koronare Herzkrankheit entwickeln.

Was kann man tun?

Da Triglyzeride stark nahrungsabhängig sind, steht eine fettreduzierte und ballaststoffreiche Mischkost an vorderster Stelle (siehe auch Ernährung). Auf schnell verstoffwechselbare Kohlenhydrate und Alkohol sollte weitgehend verzichtet werden. Reicht diese Maßnahme nicht aus, kann die Gabe eines Medikamentes sinnvoll sein.

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Lipoprotein(a)

Das Lipoprotein(a), auch kurz Lp(a) genannt, ist ein dem LDL-Cholesterin ähnliches Blutfett, dessen physiologische Rolle nicht bekannt ist. Das Lp(a) spielt jedoch eine große Rolle bei der Entstehung der Atherosklerose Wir wissen aus großen epidemiologischen Untersuchungen, dass das Lp(a) ein führender Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten der koronaren Herzerkrankung ist. Im Gegensatz zum Cholesterin kann es jedoch durch Ernährungsumstellung oder Medikamente nicht beeinflußt werden. Die Höhe des Lp(a) im Blut ist angeboren und bleibt bis in das hohe Alter relativ konstant. Personen, die an einer koronaren Herzkrankheit leiden oder Angehörige haben, die vorzeitig eine Herz-Kreislauferkrankung entwickelt haben, sollten das Lipoprotein(a) über den Hausarzt bestimmen lassen. Da die Blutspiegel nur wenig schwanken, reicht im Allgemeinen eine einzige Laborbestimmung aus. Wiederholungsmessungen sind nicht notwendig. Normalerweise gilt ein Wert unter 30 mg/dl als Normalbefund, allerdings kann dies von Labor zu Labor variieren.

Was kann man tun?

Da eine direkte Beeinflussung des Lp(a) nicht möglich ist, sollten alle anderen Risikofaktoren "gut" behandelt werden. Als Zielwert für das LDL-Cholesterin sollte ein maximaler Spiegel von 115 mg/dl angestrebt werden.

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